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Feeling Minnesota

Deutscher Titel: 
Minnesota


Spätestens seit Fargo ist Minnesota als amerikanische Provinz in der Filmgeschichte etabliert. Aber seit Fargo wissen wir auch, dass die Provinz ein ebenso gefährliches Pflaster ist wie die Großstadt. Eine weitere Bestätigung meiner These, dass das Böse auf dem Land ist. Auf jeden Fall scheint Minnesota in Amerika mit einer bestimmten Art Gefühl verbunden zu sein, auf das sich der Film in Referenz eines Soundgarden-Songs bezieht: "I'm looking California/And feeling Minnesota". Geht man davon aus, dass California das Paradies ist, ist wohl relativ klar, wofür Minnesota steht.

Streckenweise erinnert der Film auch an Fargo, besonders in der Figur des Sam Clayton (Vincent D'Onofrio, meines Erachtens der Beste in diesem Film), der ein Muttersöhnchen ist und tolpatschig bis zum geht nicht mehr - eigentlich nur noch getoppt von White Boy Bob (Keith Loneker) in Out of Sight.

Zunächst hat man das Gefül, der Film weiß nicht so recht, worauf er hinaus will. Die ersten 45 Minuten sind fahrig und unkonzentriert. Dann geht es allerdings zur Sache, ein Plot-Twist jagt den anderen. Das ist allerdings alles nicht sehr überraschend, da man das Gefühl hat, alles schon zu kennen. Und das ist für mich auch das größte Problem dieses Films: Fargo hat etwas, das man - ich möchte den theoretisch vorbelasteten Begriff Hyperrealität vermeiden - Überrealität nennen kann. Die Geschichte und Figuren scheinen realer zu sein als die Realität. Genau dies fehlt Feeling Minnesota. Bei Fargo hat man das Gefühl, selbst die kleinste Nebenfigur (etwa den Schneekehrer oder auch die beiden Girls, mit denen es Carl und Graer treiben) besser zu kennen als die Hauptfiguren in diesem Film. Das liegt nicht an den Schauspielern, D'Onofrio ist hervorragend, auch Cameron Diaz und Keanu Reeves spielen gut; nein, es liegt am Drehbuch und der fahrigen Inszenierung. Hier hat man immer das Gefühl, die Figuren nicht zu kennen. Was treibt sie an? Was motiviert ihr Handeln?

Der Film von Steven Baigelman ist mit Mitteln des Sundance Instituts gefördert worden. Man könnte also sagen, dass es sich hier um einen netten kleinen Independet-Film handelt. Aber dafür ist mir die Geschichte dann doch wieder viel zu sehr Mainstream. Denkt man an Independent-Filmer wie Cassavetes oder Jim Jarmusch, dann hat dieser Film wirklich nicht mehr viel mit dem Geist des Independent zu tun.

Meine Wertung: 
6

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.