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Dark Knight, The

Spoiler Alarm: 
Vorsicht! Text enthält Spoiler!
Deutscher Titel: 
Dark Knight, The


Christopher Nolan macht Filme für den Kopf. In erster Linie sind seine Werke ein intellektuelles Vergnügen, natürlich immer ein perfekt inszeniertes intellektuelles Vergnügen. Following und Memento experimentieren mit dem Erzählen und verlangen vom Zuschauer schon einiges an Mitarbeit. Insomnia thematisiert die Fragilität der Wahrnehmung, was in The Prestige nicht nur wieder aufgenommen, sondern auch mit geradezu wissenschaftlicher Akribie analysiert wird. The Prestige ist in dieser Linie der Höhepunkt, in dem der Film selbst zum Rätsel wird.

Auch Batman Begins kann trotz der obligatorischen Action-Sequenzen als Kopf-Film bezeichnet werden. Thematisiert wird hier unter anderem das Gerechtigkeitsprinzip, sei es als alttestamentarischer Zorn in Gestalt des Ra's Al Ghul oder in Form eines objektiven Prinzips, dem auch gegen die gesellschaftlichen Normen gefolgt werden muss. Wie ist es bloß, wenn diese Normen auch auf dem Prinzip beruhen?

The Dark Knight knüpft an diese Ausgangslage an. So edel Batmans Absichten auch sein mögen, letztlich ist es sein Auftreten, das Nachahmer hervorbringt, die gerade das fördern, was zu bekämpfen Batman angetreten ist: Chaos und Gesetzlosigkeit. Batman ist immer öfter gezwungen, gegen seine eigenen Prinzipien zu handeln. Verschärft wird die Situation durch das Auftreten von dem Joker. Der Joker kann als Antithese von Batman verstanden werden. Auch er ist ein Mann, dessen Identität unbekannt ist. Er taucht einfach auf, niemand weiß, woher er kommt. Was ihn zur Antithese von Batman macht ist, dass er genau das erreichen will, was Batman verhindern will: Chaos und Gesetzlosigkeit. Der Joker hat kein anderes Ziel, weder Gier noch Macht treibt ihn an, sondern nur das reine Chaos. In dieser Hinsicht ist er der Geist, der stets verneint; es wundert daher auch nicht, dass Heath Ledger in seiner Maske eher Mephisto ähnelt und nicht der Figur von Jack Nicholson. Akzeptiert man diese Ausgangslage, so ist eigentlich klar, dass des Prinzip des maskierten Schutzpatrons versagt hat, da es seine eigene Antithese gebiert und so den Kampf zwischen Chaos und Ordnung auf Ewigkeit selbst perpetuiert.

Vor dem Hintergrund dieser Interpretation erscheint der neue Batman in seiner Kernaussage sehr düster, da helfen auch keine aufbauenden Szenen wie die mit den beiden Schiffen - eine der wenigen Stellen in dem Film, wo die Grenze zum Kitsch überschritten wird. Mit seiner düsteren Tendenz ist The Dark Knight durchaus zeitgemäß. Man braucht sich nur einmal die Oscar-Nominierungen für 2007 anzusehen (Eastern Promises, No Country for Old Men, There Will Be Blood, Michael Clayton) und wird feststellen, dass das Kino aus Hollywood "a dark turn" genommen hat.

Kommen wir aber noch einmal auf das intellektuelle Vergnügen zurück, das der Film bereitet. Die beschriebene Ausgangslage zwischen Batman und seiner Antithese wird im ganzen Film immer wieder durchkonjugiert. Jede der Hauptfiguren wird vor eine Situation gestellt, in der sie etwas machen muss, was ihren moralischen Überzeugungen widerspricht. Alfred belügt seinen Master, Gordon seinen Sohn, seine Familie und schließlich ganz Gotham. Ebenso wie Harvey Dent, der zum Wohle der Allgemeinheit schon mal das eine oder andere Gesetz beugt. Die einzige, die in diesem ganzen Spiel ehrlich bleibt und nicht betrügt und belügt, ist Rachel. Kein Wunder, dass sie über die Klinge springt.

Doch so sehr der Film auch intellektuell Vergnügen bereitet, er ist und bleibt vom Kopf abwärts leblos. Es gibt in den Kritiken immer wieder Bezüge auf die ersten Batman Filme von Tim Burton — die Filme von Joel Schumacher lassen wir hier hintenüberfallen, sie sollten sowieso am besten vergessen werden. Es wird geschrieben, dass der neue nun doch noch viel dunkler ist als die beiden Burton-Filme, dass die Comic-Verfilmung "erwachsen" geworden ist usw. Das mag alles richtig sein, nur sind die Burton-Filme den beiden Neuverfilmungen in einer Hinsicht weit überlegen: Sie strotzen nur so vor Phantasie und kreativen Ideen. Die Phantasie ist den beiden neuen Batman-Filmen gründlich ausgetrieben. Und das ist schade, denn so bleiben sie einfach Kopf-Filme; sie können mich als Zuschauer nicht verzaubern, weil sie nur den Intellekt ansprechen, mich aber nicht mit einer körperlichen Wucht treffen wie es z.B. die Burton-Filme (oder auch Filme von Lynch und Kubrick) tun, eine voll aufgedrehte Tonanlage hilft da auch nicht. Ist das nicht einer der Hauptgründe, warum wir uns Filme ansehen? Wir wollen uns in eine andere Welt begeben, uns verzaubern lassen, vom Schicksal der Figuren berührt werden und mit ihnen zittern, sie lieben, abscheulich finden oder sie einfach zur Hölle wünschen. Wenn ich vor die Wahl gestellt werde: Burton oder Nolan, ich würde mich immer für Burton entscheiden. Kopf-Filme bereiten zwar auch Vergnügen, aber sympathisch finde ich sie nicht, selbst wenn sie klasse sind.

Meine Wertung: 
7

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.