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Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street

Deutscher Titel: 
Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street


Musicals sind eigentlich nicht mein Fall. Ganz besonders nicht die modernen, in denen es hauptsächlich um das Singen geht. Da ziehe ich dann etwa Singin' in the Rain vor, eine perfekte Mischung aus Tanz und Gesang, kongenial inszeniert für die Leinwand.
Andererseits hat Tim Burton Sweeney Todd inszeniert, das macht den Film dann schon wieder interessant. Denn wenn es heute einen Regisseur gibt, der im Kino der Fantasie den Vorrang vor Realismus und Wahrscheinlichkeit gibt, dann ist es Tim Burton. Er ist einer der wenigen zeitgenössischen Regisseure in Hollywood, deren Werke unverkennbar einen eigenen Stil haben. In diesem Sinne ist er einer der wenigen Autorenfilmer, auch wenn er seine Drehbücher meist nicht selbst schreibt. Nicht nur das, man kann in Burton auch einen der wenigen sehen, die sozusagen das alte Hollywood-Studio-System fortschreiben, ihre Filme mit und gegen dieses System durchsetzen. Das ist ein Trost, denn so lange Filme wie die von Tim Burton möglich sind, ist das Hollywood-Kino nicht verloren.

Mit Sweeney Todd wendet sich Tim Burton dem Musical zu, einem äußerst blutigen Musical. Sein Lieblingsschauspieler Johnny Depp gibt die Hauptfigur, die sich an denen rächen will, die sein Leben als ehrwürdiger Barbier und Familienvater zerstört haben. Diese blutige Rachegeschichte ist von der Story her einer klassischen Tragödie (oder auch Oper) vergleichbar, denn in seiner blinden Rachsucht bringt sich Todd um das Glück, das ihm vielleicht andernfalls offen gestanden hätte, und am Ende müssen alle sterben.

Burton inszeniert ein verkommenes und dreckiges London, in dem die Verschlagenheit der Menschen mit ihrem Status nur noch zunimmt. Anzeichen von Solidarität tragen immer den faden Beigeschmack des Strebens nach eigenen Vorteilen. Die einzig Unschuldigen sind die Kinder. Wie immer bei Burton ist das Production Design Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, Dante Ferretti hat das London genial umgesetzt, man meint den Gestank der Gosse förmlich wahrnehmen zu können. Ein so dreckiges und schwarzes Musical hat die Leinwand wohl noch nicht gesehen. Trotzdem ist es das reine Vergnügen (wenn auch ein guilty pleasure), der Geschichte und ihren Figuren zu folgen. Bis in die Nebenrollen (ich denke da vor allem an Sacha Baron Cohen oder Timothy Spall) ist der Film übrigens superb besetzt und auch beim Gesang fällt keiner der Schauspieler besonders negativ aus dem Rahmen.

Sweeney Todd passt sich hervorragend in die Riege der dunklen Filme ein, die letztes Jahr in Hollywood hergestellt und dieses Jahr bei den Academy Awards berücksichtigt wurden. Und in einem Punkt übertrifft er sie alle: er ist so fantasievoll wie keiner von ihnen. Es ist beruhigend zu wissen, dass es Filmemacher wie Burton gibt, wie arm das Hollywood Kino wäre ohne sie!

Meine Wertung: 
8

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.

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