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Michael Clayton

Deutscher Titel: 
Michael Clayton


Es gibt Filme, bei denen bleiben nicht große Actionszenen oder aufwendige Massenszenen in Erinnerung, sondern Augenblicke und kleine Gesten. Diese kleinen Augenblicke und Gesten bekommen eine Bedeutung, die weit über sie hinausweist. Es gibt Regisseure, die wahre Meister in der Inszenierung banaler Kleinigkeiten sind und diesen dadurch ihre große Bedeutung geben. Von den heute noch lebenden Regisseuren zählt für mich vor allem Clint Eastwood dazu.

Auch Michael Clayton gehört zu den Filmen, die vor allem wegen ihrer kleinen Gesten in Erinnerung bleiben: Tilda Swinton (wie immer überragend), die sich auf ihren Auftritt vorbereitet, verzweifelt auf der Damentoilette sitzt oder mit Schweiß unter den Achseln zu kämpfen hat. George Clooney (auch mit einer überragenden Leistung), wie er allein vor den Pferden auf der Wiese steht oder wie er versucht, seinem Sohn klarzumachen, dass er etwas Besonderes ist. Sydney Pollack - in einer seiner letzten Rollen -, der so menschlich erscheint, dass man ihm gar nicht zutrauen würde, einen janitor wie Michael Clayton zu beschäftigen. Schaut man jedoch genauer hin, ist es nicht weit mit dem Menschlichen, denn so richtig traurig kann er eigentlich gar nicht sein, als ein widerspenstiger Mitarbeiter plötzlich und unerwartet stirbt.
In dem Netz aus Gesten und Blicken nimmt sich Tom Wilkinson in der Rolle des Anwalts ohne Psychopharmaka schon fast als Overacting aus.

Ein Film der Gesten und Blicke war eher weniger zu erwarten bei Tony Gilroy, der die Drehbücher der Jason Bourne Trilogie verfasste. Doch wenn man es sich etwas genauer überlegt, stellt man fest, dass auch die Bourne-Filme nur vordergründig Action-Filme waren und im Innersten von Menschen erzählten, die ihre Handlungen immer vor ihrem eigenen Gewissen rechtfertigen mussten und es oft nicht konnten.
Auch Michael Clayton und seinem Kollegen Arthur Edens (Wilkinson) geht es so. Edens eröffnet den Film mit einem Monolog, der auf den Punkt bringt, was das Problem der beiden ist. Sie mögen einmal an so etwas wie Gerechtigkeit geglaubt haben, letztlich haben sie sich für ein System prostituiert, in dem es nur um den Profit geht und sonst nichts. Es wird während des ganzen Films nicht klar, welche Rolle Clayton in der Anwaltskanzlei genau hat; da sie aber inoffiziell läuft, ist es mit Sicherheit nicht etwas Legales. Selbst wenn er versucht, seinen Kollegen zu retten, verkauft er sich doch wieder, auch wenn es nur dazu geschieht, Schulden seines Bruders zu begleichen. Alle sind auf der Suche nach ihrem Glück, aber keiner scheint es gefunden zu haben.

Michael Clayton mag der janitor sein, die wirklich kriminellen Machenschaften gehen aber von Karen Crowder (Swinton) aus. Sie lässt schon mal eine Person über die Klinge springen. Das Gute an dem Film ist, dass sie nicht einfach als böse, kalt berechnende Geschäftsfrau gezeichnet wird, sondern man die ganze Zeit spürt, wie sehr sie darum kämpfen muss, um in dieser von Männern dominierten Welt zu bestehen. Ihre Entscheidungen entspringen oft eher einer tiefen Unsicherheit als kalter Berechnung.

Der Film bietet natürlich auch die eine oder andere Actionszene, aber wie bei so vielen guten Actionfilmen, entwickelt sich die Action aus der Dynamik der Figuren, aus ihren Widersprüchen und Handlungen. Es kann gut sein, dass der Film nach dem ersten Sehen einen schalen Geschmack hinterlässt: "War das alles?", ist man versucht zu fragen. Er braucht etwas Zeit, um nachzuwirken, dann weiß man ihn zu schätzen. Und es kann nicht schaden, ihn bei einem zweiten Sehen noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Der zweite Blick lohnt sich.

Meine Wertung: 
8

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.