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Pickup on South Street

Deutscher Titel: 
Polizei greift ein


Deutsche Synchronfassungen sind schon ein Kapitel für sich. In Hitchcocks Notorious wurden die deutschen Uranschmuggler zu Rauschgiftschmugglern, und in Samuel Fullers Pickup on South Street, der seinerzeit auch unter dem Titel "Lange Finger, harte Fäuste" im Kino lief, sind es die Kommunisten, die zu Rauschgiftschmugglern wurden. Alles, was irgendwie den Anschein von Politik hatte, wurde wohl aus den Filmen rausgenommen. Waren die 50er politisch so brisant, dass man Angst hatte, dem Zuschauer solche Inhalte zu präsentieren?

Es lohnt sich, Fuller wiederzuentdecken. Für die Regisseure der Nouvelle Vague, für Wim Wenders und auch für Scorsese war er ein wichtiger Autor und Regisseur. Allein aus filmhistorischem Interesse bieten sich seine Filme also an, sind aber auch unabhängig davon absolut sehenswert. Fuller gehört zu den Regisseuren, die in den 50ern vermeintliche B-Movies gemacht haben. Auch dieser Film zählt dazu. Das hatte den Vorteil, dass inhaltlich mehr an der Zensur vorbeikam als in den A-Movies. Trotzdem gab es auch bei diesem Film Streitereien, z.B. wenn McCoy in einer Szene sagt: "Are you waving the flag at me?" Eigentlich sollte dieser Satz rausgenommen werden, aber der Produzent hat ihn durchgesetzt mit der Bemerkung, dass er zur Figur passe und alles andere sie unglaubwürdig machte.

Pickup on South Street handelt vom Kleinganoven Skip McCoy (Richard Widmark), der auf einem seiner Beutezüge in der U-Bahn ein Portmonnaie mit einem Mikrofilm klaut. Die Polizei und die Spione, die allerdings zunächst die ahnungslose Candy (Jean Peters) vorschicken, setzen sich mit Hilfe von Moe Williams (Thelma Ritter) an seine Fersen. Skip versucht, sein eigenes Geschäft dabei zu machen, kann aber am Ende froh sein, dass er seine Haut gerettet und Candys Liebe gewonnen hat.

Obwohl der Film noch stilistisch an die Films Noirs anschließt, ähnelt er doch eher den helleren Krimis der 50er Jahre, ist aber dennoch hard-boiled. Fuller verschwendet keine Zeit und taucht mit uns gleich mitten ins Geschehen ein. Die erste Sequenz, der Diebstahl in der U-Bahn, ohne Worte, ist schon ein grandioser Einstieg. Man kann hier erkennen, dass Fuller ein Meister des filmischen Erzählens mittels Schnitt ist.
Aber nicht nur filmisch, auch vom Schauspielerischen ist der Film durchaus bemerkenswert. Richard Widmark und Jean Peters spielen hervorragend, auch in den unvermeidlichen Liebesszenen kommt nie das Gefühl auf, es sei kitschig. Und dann natürlich Thelma Ritter, die für diese Rolle zurecht für den Oscar nominiert war. Das ist keineswegs B-Movie, sondern höchste A-Klasse.

Nebenbei führt uns Fuller hier auch vor, dass es nicht mehr als 80 Minuten braucht, um eine gute Geschichte zu erzählen. Bei manchen Filmen heutzutage wüscht man sich, die Regisseure hätten sich dieses Prinzip zu eigen gemacht.

Meine Wertung: 
8

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.