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Little Children

Deutscher Titel: 
Little Children


Es gibt Filme, die man sieht und die einen tiefen Eindruck auf einen hinterlassen. Stellt sich dann aber die Frage, worum es in dem Film eigentlich geht bzw. was seine Kernaussage ist, dann kommt man in Verlegenheit, weil man es nicht gar nicht so genau weiß. Diese Filme stellen den höchsten Anspruch an das Schreiben über sie, denn der Schreiber muss wesentlich tiefer graben, um an Aussagen zu gelangen, die das Erlebnis, das er beim Anschauen des Films hatte, adäquat widerzuspiegeln. Oft gelingt es nicht und der Text ist ein Dokument des Scheiterns. So geht es mir mit Little Children von Todd Field, und ich kann nur hoffen, dass der Text etwas erfassen kann von dem, was mich an dem Film fasziniert hat.

Fangen wir mit der Story an: Es geht um Sarah (Kate Winslet) und Brad (Patrick Wilson), die beide mit ihrem Leben unzufrieden sind und sich in der Kleinstadt unausgefüllt fühlen. Es sind eher die Umstände, die sie dann dazu bringen, ein Verhältnis miteinander zu beginnen. Es kommt sogar so weit, dass sie kurzzeitig planen, ihre Partner zu verlassen und ein neues Leben miteinander zu beginnen. Begleitet wird diese Geschichte von der Story über Ronnie McGorvey (Jackie Earle Haley), der gerade aus dem Gefängnis gekommen ist, weil er sich kleinen Kindern unzüchtig genähert hat. Ronnie ist krank, seine Mutter glaubt aber daran, dass er ein normales Leben führen kann. Sie werden vom Ex-Cop Larry (Noah Emmerich) terrorisiert, der die Nachbarschaft gegen Ronnie zu mobilisieren versucht.

Im Leben aller dieser Personen wird es ein Ereignis geben, das für sie wie ein Wendepunkt erscheint und an dem sie entscheiden können, ob und wie sie ihr Leben ändern wollen. Ob sie diese Entscheidung durchhalten können, bleibt offen, man kann da als Zuschauer seine eigenen Vermutungen haben.

Auch wenn der Film von der Geschichte her gar nichts damit zu tun hat, erinnert er an einigen Stellen sehr stark an Barry Lyndon. Die Art den Zoom auf Stillleben einzusetzen und der Einsatz des Erzählers vor allem. Das ist mit Sicherheit einer der Punkte, die mir an dem Film besonders gefallen. Generell sind es eher die Bilder, die im Kopf bleiben und vor allem beeindrucken. Und dann einzelne Szenen: Ronnies Date, das so schrecklich ist, dass man es kaum aushält. Die Szene, in der Brad und Sarah sich auf dem Spielplatz küssen. Die Geschichte von Sarahs Ehemann (Gregg Edelman)und wie sie ihn ertappt oder wie Brads Frau (Jennifer Connelly) auf einmal weiß, dass zwischen Brad und Sarah etwas läuft. Oder der Literaturclub, in dem es vordergründig um Madame Bovary geht, aber eigentlich Sarah gegenüber Mary Ann (Mary B. McCann) ihr eigenes Verhalten verteidigt. Das alles sind Szenen, die intensiv sind und sich in das Gedächtnis einbrennen.
Viele der besten Filme haben eine Art hypnotische Wirkung, wenn man sich auf sie einlässt. Man scheint mit offenen Augen zu träumen. Das ist definitiv bei Kubrick der Fall, in den besseren Filmen von den Coen-Brüdern und in großen Teilen auch in diesem. Vergleichbares hat Todd Field auch schon in In the Bedroom geschafft. In meinen Augen ist er ein ganz großes Regietalent und ich bin schon gespannt auf seinen nächsten Film.

Meine Wertung: 
8
DVD: 

Little Children bei Amazon

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.