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Spoiler Alarm: 
Vorsicht! Text enthält Spoiler!
Deutscher Titel: 
Gefahr und Begierde


Ein normaler Durchschnittseuropäer und Deutscher so wie ich weiß sehr wenig über den Zweiten Weltkrieg in Asien ohne die Amerikaner. Kaum etwas über die japanische Besetzung Chinas und die Tatsache, dass es auch dort eine Art Vichy-Regime gab. Glücklicherweise verlangt der Film von Ang Lee nicht, dass man über tiefe Kenntnisse dieser Zeit in Asien verfügt. Die Geschichte ist ins Allgemeine gehoben und würde so überall funktionieren.

Die junge Wang Jiazhi (herausragend: Wei Tang) kommt zu Beginn des Krieges zwischen China und Japan vom Land nach Hongkong, um zu studieren. Schnell gerät sie an Studenten, die sich für die Propaganda zugunsten Chinas einsetzen und Theater machen. Sie verliebt sich in den Anführer Kuang, und diese Liebe ist schließlich auch ausschlaggebend für sie, sich dieser Widerstandsgruppe anzuschließen, um einen hohen Beamten der Kollaborationsregierung zu beseitigen.

Die jungen Leute sind naiv, so schnell wie sie dachten geht es nicht. Wang muss ihre Unschuld opfern, doch auch das bringt nichts. Das anvisierte Opfer verlässt Hongkong in Richtung Shanghai. Gezwungenermaßen müssen die Studenten dann noch einen Zeugen beseitigen. Sie lernen, dass es gar nicht so einfach ist, einen Menschen zu töten. Wang flieht und zieht sich zurück.

Drei Jahre später wird sie wieder von ihrem damals Angebeteten rekrutiert, um die Sache fortzusetzen. Sie schafft es diesmal, eine Beziehung zu Herrn Yi (wie immer gut: Tony Leung) einzugehen. Doch diese Beziehung verlangt mehr von ihr als alle gedacht haben. Damit er keinen Verdacht schöpft, muss sie ihn in ihr Herz lassen. Dadurch ist aber schließlich aller Schicksal besiegelt, denn im entscheidenden Moment muss sie sich für den Widerstand oder ihren Geliebten entscheiden. Und wer entscheidet sich schon gern für abstrakte Ziele und abstrakte Opferzahlen?

Wie so oft ist auch dieser Ang Lee Film eher unaufdringlich erzählt und beobachtet genau jedes noch so kleine Detail. Etwas aus dem Rahmen fallen die Sexszenen und der Mord an Cao, eine der beeindruckendsten Morde seit dem von Paul Newman an Wolfgang Kieling in Torn Curtain, und das will schon etwas heißen angesichts der Anzahl von Morden auf der Leinwand. Diese drastischen Szenen haben aber dramatisch gesehen durchaus einen Sinn. Denn sie tragen auch dazu bei, dass Wang langsam zerbricht. Das war schon etwas vorhersehbar, denn sie hat sich den Studenten letztlich auch nur angeschlossen, weil sie in Kuang verliebt war, nicht unbedingt aus Überzeugung. Kuang jedoch sieht es nicht und ist bereit, ihre Unschuld für seine Ziele aufs Spiel zu setzen. Erst viel zu spät merkt er, was er da eigentlich anrichtet.

Vor allem interessant ist dieser Film, weil er sich eingehend mit der Frage beschäftigt, wie jemand es verarbeitet, dass er/sie ständig vorgeben muss, jemand anderes zu sein, jemanden interessant zu finden und zu lieben, den man eigentlich verabscheuen müsste. Welche Auswirkungen hat das auf die eigene Psyche und wie bestimmt es unser Verhalten zu den anderen? Im Falle von Wang endet es, egal wie sie ihre Entscheidung fällt, mit Verrat, da sie emotional an beide Seiten gebunden ist. Hätte sie sich auch nicht emotional binden können? Wie ist es mit Herrn Yi, hat er sich emotional an sie gebunden? Schließlich schickt er sie in den Tod... aber wird er so weitermachen wie vorher? Kann er das überhaupt?
Auch weil der Film viele Fragen stellt, ohne sie zu beantworten, hebt er sich wohltuend von anderen Filmen ähnlichen Inhalts ab. Ang Lee hat mit Se, jie ein weiteres kleines Meisterwerk geschaffen; das hätte man ihm nach dem schrecklichen Hulk (der nur wegen Jennifer Connelly zu ertragen war) gar nicht mehr zugetraut.

Meine Wertung: 
8
DVD: 

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Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.