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Deutscher Titel: 
Der Fremdling


Clint Eastwoods vorletzter Film basiert auf einer "wahren Geschichte". Wie immer man auch zu diesem Ansatz steht, man muss jedenfalls zugeben, dass Eastwoods Talent der stillen Inszenierung, die zurückhaltend ist, aber dennoch hohe Emotionalität ausdrückt, sehr gut dazu passt.

Erzählt wird die Geschichte von Christine Collins (Angelina Jolie), einer allein erziehenden Mutter, die eines Tages nach der Arbeit heimkommt und feststellen muss, dass ihr Sohn verschwunden ist. Das LAPD ist nicht besonders hilfreich bei der Suche und eher mit den Vorwürfen der Korrumpierbarkeit beschäftigt. Allein Reverend Gustav Briegleb (John Malkovich) steht in seinen Predigten der armen Mrs. Collins bei.

Eines Tages, nach 6 Monaten steht die Polizei vor der Tür und behauptet den Sohn gefunden zu haben. Mrs. Collins, hocherfreut fährt mit und muss dann feststellen, dass es nicht ihr Sohn ist. Doch aufgrund des ganzen Medienrummels, des armen Kindes, das ganz allein ist, und den Manipulationen des Captains Jones (Jeffrey Donovan) nimmt sie das Kind zunächst auf.

Aber sie gibt nicht auf und geht weiterhin zur Polizei, um dafür zu sorgen, dass nach ihrem Sohn gesucht wird. Als Reverend Briegleb auch noch Medienmacht hinter ihren Auftritt bringt, lässt Jones sie kurzerhand in die Klapsmühle einweisen. Dort stellt sich heraus, dass viele unbeliebte Frauen einfach von der Polizei dort eingewiesen wurden.

Parallel wird nun die Geschichte von Gordon Northcott erzählt, einem Serial Killer, der zusammen mit seinem jungen Neffen kleine Jungen umgebracht hat. Als Briegleb es gelingt, Christine rauszuholen, ist klar, dass auch ihr Sohn ein vermeintliches Opfer von Northcott war. Ob er es nun tatsächlich war oder nicht, werden wir nie erfahren.

Auf jeden Fall setzt sich Christine Collins für die Frauen in der Irrenanstalt ein und geht mit prominenter Hilfe gegen das LAPD vor. Ihren Sohn wird sie allerdings nicht mehr finden.

Eastwood ist hier ein besonders gutes Period Piece gelungen, das zwar eine total andere Geschichte erzählt, aber aufgrund der korrupten Polizei durchaus an das Meisterwerk L.A. Confidential erinnert. Natürlich ist Eastwoods Film kein Action Film. Im Wesentlichen zeichnet er sich durch die für Eastwood typische zurückhaltende Inszenierung aus. Nur in den Szenen mit Northcott und in der Klapsmühle werden Elemente des Horrorfilms eingesetzt.

Was Eastwood aber mindestens so gut hinbekommt wie Curtis Hanson ist die Evokation einer vergangenen Zeit. Das beginnt schon mit dem alten Universal-Logo und setzt sich unmittelbar in der Schwarzweißfotographie von L.A. fort, die dann ganz unmerklich in gedeckte Farbtöne übergeht. Einzig der Lippenstift von Angeline Jolie knallt farbig hervor. Der Film ist nichts für schwache Nerven, denn ersparen tut Eastwood dem Zuschauer nichts, seien es nun Elektorschocks oder das Hängen. Aber so gehört es sich wohl auch für einen Film, der auf einer "wahren Geschichte" beruht.

Meine Wertung: 
8
DVD: 
Der fremde Sohn bei Amazon

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.