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What Just Happened

Deutscher Titel: 
Inside Hollywood

"Fuck my life. I want the credit."

Diese Aussage stammt von Stanley Motts (Dustin Hoffman), dem Producer aus Levinsons Wag the Dog, der einen Krieg inszeniert, den es nie gegeben hat, um von einer schäbigen Affäre des Präsidenten im Wahlkampf abzulenken. Wag the Dog nimmt sowohl die Politik als auch Hollywood auf den Arm und ist, um es gleich vorweg zu sagen, der weitaus bessere Film von Levinson im Vergleich zu diesem.

Hollywood-Filme über Hollywood sind immer ein gewisses Problem. Das ist wie beim Argumentieren: man kann nicht alles in Frage stellen, da man sich sonst selbst den Boden, von dem aus man argumentiert, unter den Füßen wegzieht. So hinterlassen denn auch die meisten Filme über Hollywood einen faden Nachgeschmack nach Kompromiss. Bei den besseren Filmen (etwa The Bad and the Beautiful oder natürlich Robert Altmans The Player) ist das Ende so überzeichnet, dass dieser Nachgeschmack köstlich ist.

Levinsons Film ist in einer wichtigen Hinsicht eine Ausnahme: Er stammt aus der Feder eines Producers (Art Linson), also der Personengruppe, die in den anderen Filmen das Hassobjekt darstellt. Wir lernen hier, dass Producer auch nur Menschen sind. Sie sind ständig am Organisieren und Arbeiten, Kohlen aus dem Feuer holen, um Filme zu retten. Natürlich: Kommerz kommt vor Kunst, aber wer wollte das allen Ernstes noch bezweifeln? Nur danken tut es den Produzenten niemand. Regisseure setzen sich über die Eingriffe hinweg, Schauspieler benutzen sie als Fußmatte, ihre diversen Frauen sind mehr oder weniger nur noch an den Alimenten interessiert oder daran, von ihnen loszukommen. Nur die Agenten scheinen noch eine Stufe unter den Producern zu stehen. Linson hat sich das Motto von Stanley Motts zueigen gemacht: er wollte auch mal die Credits haben. Und Levinson hat sie ihm gegeben. Wohl weil Levinson selbst seine Erfahrungen als Producer hat. Eine gute Entscheidung war das freilich nicht. Denn das größte Manko des Films ist (wie so oft bei mittelmäßigen Filmen) das Drehbuch von Linson. Allerdings ist auch einiges an der Inszenierung auszusetzen.

Dabei beginnt der Film sehr vielversprechend. Die Sequenz der Preview ist filmisch genial umgesetzt. Schnelle Schnitte vermitteln die Spannung im Kinosaal. Robert DeNiros Blicke ins Publikum, dazwischen geschnitten, zeigen uns anschaulich und empathisch seine Anspannung. Wir sind bis zum Platzen gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Und dann das Ende des Films, das für uns ebenso unerwartet kommt wie für das Publikum. Diese Sequenz allein ist schon ein Beweis dafür, dass Levinson ein guter Regisseur ist. Wenn De Niro dann noch mit den Umfrageergebnissen im Auto sitzt und zu Ennio Morricones Mundharmonika aus Spiel mir das Lied vom Tod langsam der Versuchung nachgibt, die Fragebögen anzuschauen, das ist tolles Kino.

Das Problem ist nur: Dies sind die einzigen beiden Szenen, die wirklich gut sind. Hier sind Form und Inhalt bestens aufeinander abgestimmt. Wenn es dann allerdings weitergeht mit den hektischen Schnitten und den Jump Cuts, sollte es auch einen inhaltlich begründeten Sinn haben. Der könnte ja z.B. darin bestehen, dass auf visueller Ebene das stressreiche Leben des Producers aufgenommen wird. Bloß gehört dazu, dass der Producer wirklich gestresst ist. Diesen Eindruck vermittelt De Niro aber keineswegs. So erweckt die Inszenierung und das Schnitttempo nur einen Eindruck von Manieriertheit. Das hätte nicht nötig getan und ist schade. Am Ende des Films ist man daher als Zuschauer dann doch eher enttäuscht und trauert den guten Filmen über Hollywood nach. Hier ist ein Film, der einen Großteil seiner Zeit darauf verwendet, das positive Bild seines Anfangs wieder zu demontieren.

"Watching paint dry is equally amusing and you might even get it for free." So schrieb ein Nutzer auf der IMDB. Ganz so hart muss man es nicht sehen, aber es gibt wirklich bessere Dinge (vor allen Dingen Filme über Hollywood) mit denen man seine Zeit verbringen kann.

Meine Wertung: 
4
Filmtipps zum Thema: 

The Player von Altman bei Amazon UK
Ein wahrer Klassiker: Sunset Boulevard oder Boulevard der Dämmerung von Billy Wilder bei Amazon

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.