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International, The

Deutscher Titel: 
The International


Spätestens seit den Paranoia-Filmen der 70er in der Nachfolge der Watergate Affäre (All the President's Men, The Prallax View, The Conversation) zeichnet sich der Politthriller durch einen häufigen Wechsel der Schauplätze aus. Natürlich hat sich dieses Merkmal noch einmal deutlich verstärkt, seitdem die Globalisierung zum Alltagsbegriff geworden ist. Filme wie Syriana, Munich, aber auch Komödien wie etwa Charlie Wilson's War spielen auf globaler Ebene und die vielen Schauplätze unterstreichen die Komplexität und Undurchschaubarkeit der Beziehungen.
In Tom Tykwers Ausflug in das Genre des Politthrillers ist es nicht anders. Die Geschichte spielt sich ab in Berlin, Italien, Brüssel, USA etc. Die oft modernen Bauten geben der Unübersichtlichkeit des plots ein visuelles Pendant. Diese Bauten sind teilweise echt, aber sie sind eben auch teilweise von Uli Hanisch gebaut worden. Und den Unterschied kann man nicht erkennen. Die beeindruckendste Arbeit ist wohl das Guggenheim-Museum, nicht nur wegen der fulminanten Action-Sequenz, die zu den beeindruckendsten des Films gehört. Die Ausstattung spielt hier eine tragende Rolle und wird kongenial von Uli Hanisch umgesetzt. Kein Wunder also, dass der Filmdienst ihm in der Ausgabe 14/2009 einen Artikel gewidmet hat, der sehr lesenswert ist, ebenso wie das Interview mit Hanisch.

Der Film erzählt vom Interpol Agenten Louis Salinger (Clive Owen), der den schumtzigen Geschäften internationaler Banken auf der Spur ist. Bevor er allerdings irgendeinen Zeugen gewinnen kann, werden sowohl sein Zeuge als auch sein Kollege ermordet. Es sind also richtig üble Burschen, die er da verfolgt. Kein Wunder, einer von ihnen ist erfahrener Ex-Stasi-Agent Wilhelm Wexler (Armin Mueller-Stahl), aber dahinter steckt der noch bösere Jonas Skarssen (Ulrich Thomsen). Aber auch Skarssen ist nicht unantastbar. Wie so oft in den Filmen, kann der einzelne hier gegen "das System" gar nichts ausrichten, selbst wenn er sich "außerhalb des Gesetzes" stellt. Ein böser wird durch den nächsten ersetzt. Und am Ende hat sowieso die Mafia alles in der Hand.

So viel Wert auf die Aufdeckung der Zusammenhänge wie etwa Syriana legt der Film aber nicht. Das eine Gespräch mit dem Italiener, unmittelbar bevor er einem Anschlag zum Opfer fällt, ist die Ausnahme. Tykwer scheint es hier eher um die Beschreibung eines Zustands zu gehen. Und der zeichnet sich aus durch Kälte, Einsamkeit, Manipulation und generelles Misstrauen. Wenn das Production Design dann auch noch mit der hervorragenden Bildgestaltung von Frank Griebe eingefangen wird, dem Hauskameramann von Tykwer, dann kann nicht mehr viel verkehrt laufen. Außer natürlich beim Drehbuch, wie so oft. Das ist in diesem Film aber ebenso gelungen.

The International ist ein guter, spannender Action-Film, in dem allenfalls die Frauenfigur (Naomi Watts) etwas unterrepräsentiert ist. Das scheint im Actionfilm bzw. Politthriller aber eher die Regel zu sein oder fallen Ihnen spontan mehrere Action/Polit-Thriller ein, in denen es gleichwertige Frauenrollen gibt? Spontan fallen mir nur The Three Days of the Condor und The Interpreter ein, wobei Faye Dunaway im erstgenannten nicht unbedingt eine gleichwertige Rolle hat. Beide Filme sind übrigens von Sydney Pollack.

Meine Wertung: 
7
DVD: 
Kommt erst im September, aber schon bei Amazon UK erhältlich: The International
Filmtipps zum Thema: 

Politthriller: Syriana, Munich (Moviephil Kritik)

Klassiker: All the President's Men (Moviephil Kriktik, The Parallax View, The Conversation

Tom Tykwer: Amazon bietet eine Tykwer-Kollektion an, die auch den sonst nicht erhältlichen, großartigen Winterschläfer enthält. Wie die Nutzerkommentare zeigen, gibt es hier auch etwas Wesentliches auszusetzen.

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.