Skip to main content

Carne trémula

Deutscher Titel: 
Live Flesh

Nachdem die neueren Filme von Almodóvar mir doch einigermaßen gefielen, wobei Todo sobre mi madre derjenige ist, der mir am wenigsten gefällt, wollte ich mir doch auch mal ältere ansehen. Dieser hier ist mittlerweile zehn Jahre alt, der Vorgänger von besagtem Todo sobre mi madre und hat mich sehr positiv überrascht. Ich dachte immer, Almodóvars frühe Filme seien grell und bunt, überdreht und abgefahren. Das war ein unberechtigtes Vorurteil. Dieser Film kann mit seinen neueren Filmen absolut mithalten. Schon der Anfang, die Geburt von Victor im nächtlichen Madrid unter der Franco-Diktatur, ist sehr gelungen. Penelope Cruz hat hier eine kurze Rolle als Mutter. Die Diktatur wird einfach über die Stimmung eingefangen: leere Straßen, teilnahmslose Autofahrer, kalte Prachtbauten. Der Film nimmt dann allerdings eine Wendung und wechselt in die Nach-Franco-Ära, das Jahr 1990. Victor (Liberto Rabal) ist scharf auf Elena (Francesca Neri) und stellt ihr nach. Die Situation eskaliert, nachdem auch noch zwei Polizisten, David (Javier Bardem) und Sancho (José Sancho) auftauchen. Es kommt zu einem Shoot-out, bei dem David verletzt wird. Wieder vergehen 4 Jahre und Victor befindet sich im Knast, kurz vor seiner Entlassung. Elena ist mittlerweile mit dem einen Polizisten (Javier Bardem) verheiratet, der seit dem Shoot-out querschnittsgelähmt ist. Man weiß nicht so recht, ob sie aus Schuldgefühl mit ihm zusammen ist oder ob sie ihn tatsächlich liebt. Victor taucht auf jeden Fall wieder bei den beiden auf und schleicht sich in ihr Leben ein. Zudem beginnt er eine Affäre mit Clara (Angela Molina), der Frau Sanchos, was wiederum David mitbekommt und daraufhin fotografisch dokumentiert. Das hängt auch damit zusammen, dass er selbst vor dem so genannten Unfall ein Verhältnis mit dieser Frau hatte. Es stellt sich dann im weiteren Verlauf heraus, dass es gar kein Unfall war, und dass nicht Victor, sondern der andere Polizist den Revolver abgedrückt hat. David beichtet Elena das Verhältnis mit Clara, sagt aber nicht, dass es wohl Sancho war, der auf ihn geschossen hat. Elena wendet sich Victor zu. Daraufhin wird David so eifersüchtig, dass er Sancho von der Affäre zwischen Victor und Clara erzählt, was zum Shoot-out zwischen Ehefrau und Ehemann führt, woran beide sterben. Am Schluss ist Victor dann doch mit Elena zusammen, die sich - wohl auch aufgrund des Verhaltens von David, den sie aber anscheinend nicht wirklich liebt - für ihn entschieden hat. Klingt kompliziert, die Geschichte, kommt aber überhaupt nicht so rüber. Ein leichter Hauch von Kitsch ist am Ende, wenn Victor sein ungeborenes Kind zu beruhigen versucht, indem er darauf verweist, dass Spanien jetzt ja ganz anders sei als zur Franco-Zeit. Das hält sich aber in Grenzen, zumal der Film diese Aussage - zumindest was das Verhältnis zwischen Mann und Frau angeht - etwas ad absurdum führt. Denn die beiden Polizisten - und Victor im Grunde genommen auch, jedenfalls bis er die Affäre mit Clara beginnt - sind Machos wie sie im Buche stehen. Das hat der Film dann auch mit dem neuen (Volver) gemeinsam: er ist im Grunde genommen ein Plädoyer für die Frauen und gegen die von Männern dominierte spanische Gesellschaft bzw. ein Plädoyer für die Abkehr vom überkommenen Machismo. Grundlage für diesen Film war übrigens ein Roman von Ruth Rendell.

Meine Wertung: 
7

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.