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Laberinto del fauno, El

Deutscher Titel: 
Pans Labyrinth
Mit El laberinto del fauno ist Guillermo del Toro ein kleines Meisterwerk gelungen. Der Film kann sich durchaus mit solchen Filmen wie Peter Jacksons Lord of the Rings auf eine Ebene gestellt werden, auch wenn er nicht so bombastisch daherkommt. Er strotzt vor Fantasie, ist aber auch wesentlich brutaler und grausamer. Eigentlich so, wie man es von Märchen gewohnt ist. Das Brutale allerdings geschieht vornehmlich in der - filmischen - gesellschaftlichen Realität. Der Film erzählt die Geschichte der jungen Ofelia (beeindruckend gespielt von Ivana Baquero), eines Mädchens, das viel liest und eine üppige Fantasie hat. Sie kommt zusammen mit ihrer Mutter in die spanische Provinz im Norden, um bei ihrem Stiefvater zu wohnen. Und der ist wirklich der sprichwörtliche böse Stiefvater - hervorragend gespielt von Sergi López, ein faschistischer Bluthund, der Jagd auf die verbleibenden Rebellengruppen macht und dabei sadistisch bis zum Gehtnichtmehr ist. Angesichts der brutalen Realität flüchtet sich die junge Ofelia in eine Fantasiewelt. In dieser ist sie möglicherweise die Reinkarnation einer Prinzessin aus der Unterwelt. Um dies zu beweisen, muss sie drei Aufgaben erfüllen. Diese Fantasiewelt ist nicht weniger bedrohlich und Angst einflößend als die Realität, aber alles erscheint besser als der Stiefvater. Am Ende hat Ofelia die drei Aufgaben mit mehr oder weniger großer Bravour erledigt und darf sich in der Fantasiewelt auf den Thron neben ihrem Vater, den König setzen. Jedenfalls, wenn man als Zuschauer die Fantasiewelt als - wenn auch andere - Wirklichkeit akzeptiert. Und im Hinblick auf die Alternative ist man nur allzu bereit dazu. Del Toro hat schon vorher die faschistische spanische Vergangenheit als Rahmen einer Geschichte genutzt. Der Film El espinazo del diablo spielt auch mit der Etablierung von Parallelwelten. Dort ist es freilich offensichtlicher, dass die Parallelwelt "real" ist, da sie wirklich physisch in das Leben der Jungen eingreift. Hier geht del Toro nun noch einen Schritt weiter und entwirft eine Paralleluniversum, das neben der Realität besteht - auch wenn es nur in der Vorstellung der kleinen Ofelia ist. Der Film ist gespickt mit Verweisen auf andere Filme. An einem Punkt musste ich an den wundervollen The Night of the Hunter von Charles Laughton denken, auch ein modernes Märchen mit einem bösen Stiefvater. Wenn die kleine Ofelia am Ende vor ihrem Stiefvater in das Labyrinth flüchtet, stellt sich die Assoziation zu Kubricks The Shining ein. Und es ist ein Qualitätsmerkmal des Films, das er diese Vergleiche besteht und nicht dadurch verliert. Das einzige, was man dem Film als Mangel vorwerfen kann ist, dass er manchmal tatsächlich etwas kitschig wirkt und dass die Fantasiefiguren etwas mehr hätten ausgearbeitet werden müssen. Das sind allerdings Kleinigkeiten, die nur den letzten, zehnten Punkt ausmachen. Für ein kleines Meisterwerk reicht es allemal.
Meine Wertung: 
9

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.