Skip to main content

Notes on a Scandal

Deutscher Titel: 
Tagebuch eines Skandals

Judi Dench und Cate Blanchett spielen zwei Frauen, die - jede für sich - einsam sind und von einer Sehnsucht getrieben werden. Diese Sehnsucht kann zum Einen die nach einer erfüllten Liebe sein, das gilt für die Figur von Judi Dench. Im Falle von Sheba (Blanchett) ist diese Sehnsucht etwas diffuser. Sie sieht es so, dass sie ein Jahrzehnt ihrer Famillie geopfert hat und sich dafür das "eigentliche" Leben versagt hat, was immer das auch sein mag. Das führt dann letztendlich zu der fatalen Beziehung, die sie mit einem ihrer Schüler eingeht, der dem Alter nach ihr Sohn sein könnte. Barbara (Dench) ist eine verkniffene, strenge Lehrerin, die kurz vor ihrer Pensionierung steht. Der Zuschauer erfährt den Großteil der Geschichte durch ihren Mund, da sie akribisch Tagebuch führt. Es gibt sonst niemanden, dem sie sich anvertrauen kann. Der Film verlässt sich aber nicht auf diese Perspektive, sondern stellt eben den Worten, die oft sehr sarkastisch und nahezu bösartig sind, die Bilder gegenüber, die dann gelegentlich eine andere Sprache sprechen. Auf diese Weise kann der Zuschauer Barbara nicht als ganz und gar böse Figur ansehen. Sie tut einem schon ein bisschen leid, da sie im Grunde genommen genauso "pathetic" ist wie die Menschen, die sie in ihren Büchern beschreibt. Diese desillusionierte alte Frau scheint nun doch noch einmal wieder aufzublühen, als die junge Sheba an ihre Schule kommt. Sie ist ganz offensichtlich in sie verliebt. Sie ist aber auch diejenige, die das Verhältnis von Sheba zu Steven entdeckt. Statt jedoch zum Schulleiter zu gehen, versucht sie, die junge Sheba durch ihr Schweigen als Freundin zu gewinnen. Als sie dann jedoch erfährt, dass Sheba nach wie vor in dem Verhältnis ist und Sheba sie dazu auch noch in schwerer Stunde allein lässt, gibt sie es an einen Lehrerkollegen weiter, der selbst ein Auge auf Sheba geworfen hat. Die Folge ist natürlich der im Titel erwähnte Skandal. Sheba kommt in die Klatschpresse und wird von ihrem Mann vor die Tür gesetzt. Barbara sieht hier ihre Stunde gekommen, und es scheint zunächst auch so zu sein, da Sheba bei ihr vorübergehend einzieht. Nur findet sie dann das Tagebuch, aus dem sie nicht nur erfährt, dass Barbara sie verraten hat, sondern auch die wahren Gefühle von Barbara offenbar werden. Das führt zum endgültigen Bruch zwischen diesen beiden Frauen. Der Film deutet nun an, dass sie möglicherweise in der Familie und einer anderen Frau ihr Glück finden. Das wird aber offen gelassen. Die Stärke der Familienbande von Sheba ist fraglich und die Art und Weise, wie Barbara ihre vermeintlichen Partnerinnen manipuliert, spricht auch nicht unbedingt für ein Happy End. Aber wir können es als Zuschauer so sehen, wenn wir wollen. Der Film lebt vor allem von den beiden Hauptdarstellerinnen, die beide in absoluter Höchstform sind. Das Angenehme an dem Film ist, dass er auch nicht in Schwarz-Weiß-Mustern denkt. Klar, Barbara ist böse, aber sie ist letztlich auch nur arm dran. Und Sheba hat zwar etwas Unschuldiges an sich, so dass auch die Beziehung zu dem Jungen nicht den unangenehmen Beigeschmack der Pädophilie hat. Aber sie macht damit zwei Familien kaputt, sie weiß es eigentlich auch, macht es aber trotzdem. Das hat nichts mehr mit Unschuld zu tun. Man ist als Zuschauer vielleicht nur geneigt, darüber hinwegzusehen, weil es eine Art Schwäche ist. Genau das scheint mir dann auch der wesentliche Punkt zu sein. Der Film macht die Sehnsucht klar, die der eigentliche Antrieb hinter den Taten der beiden Frauen ist; und diese Sehnsucht ist für den Zuschauer so gut nachvollziehbar, dass er zumindest versteht, warum sie so handeln, wie sie handeln. Das macht sie zu "echten" Menschen, gibt den Figuren eine Tiefe, die es uns ermöglicht, ihnen mit der ganzen Breite der Gefühlspalette gegenüber zu stehen.

Meine Wertung: 
8

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.