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Lions for Lambs

Deutscher Titel: 
Von Löwen und Lämmern


Fangen wir mit dem ersten Eindruck an, den ich bewusst bei diesem Film hatte: "Meine Güte, haben die alle strahlende Zähne!" Sowohl Redford als auch Cruise präsentieren hier Gebisse, die weißer als weiß sind und daher schon fast unnatürlich aussehen.

Doch jetzt zum eigentlichen Inhalt des Films: Robert Redford ist für seine kritische Haltung zum War on Terror bekannt. Es nimmt daher auch nicht Wunder, dass dieser Film einen kritischen Blick auf diesen Krieg und die dahinter stehende Rhetorik wirft. Robert Redford ist aber auch US-Amerikaner. Daher nimmt es ebenso wenig Wunder, dass die vermeintliche Lösung bzw. die nahe gelegte Haltung die des aufgeklärten, kritischen Individuums ist, das sich gesellschaftlich betätigt, um die Missstände zu beseitigen. Sieht man einmal ab von diesen Quasi-Selbstverständlichkeiten, handelt es sich bei Lions for Lambs um einen durchaus interessanten und im guten Sinne des Wortes altmodischen, politisch-aufklärerisch engagierten Film.

Wir werden Zeuge von drei Handlungssträngen, die nahezu parallel ablaufen und auf die eine oder andere Art miteinander verbunden sind. Da ist einmal der Senator in Washington, der einer engagierten, kritischen, aber letztlich doch eher machtlosen Journalistin von "seiner" neuen Operation erzählt. Und obwohl sie diese Story letztlich für reine Propagande hält, bleibt ihr nicht viel anderes als sie zu veröffentlichen. Schließlich ist es "news". Hier wird ganz eindrucksvoll die Rhetorik der Politik vorgeführt.

Dann ist da der engagierte Doktor der politischen Wissenschaften in Kalifornien, der sich darum bemüht, einem seiner Studenten klarzumachen, dass eine kritische Haltung und Engagement - und sei es auch noch so klein - jede resignative Zurückgezogenheit ins Private aufwiegt. Hier wird quasi die Seite der kritischen Opposition vorgeführt, die mittlerweile auch mehr ins Resignative abgeglitten ist. Auch hier gibt es interessante Dialoge, aber im Vergleich zum sehr erhellenden "Interview" zwischen Senator und Journalistin, ist dieser Teil doch eher etwas blasser.

Begleitet werden diese beiden Diskussionen durch die Operation, von der in Washington die Rede ist. Wir sehen zwei ehemalige Studenten des Doktors aus Kalifornien bei dieser Operation sterben. Nebenbei erhalten wir auch Einblick in ihre Motivation, überhaupt an diesem Krieg teilzunehmen. Das sind sehr löbliche Motive, um so mehr schmerzt es dann natürlich, sie für eine Sache sterben zu sehen, bei der das Scheitern so gut wie hundertprozentig vorhersagbar ist.

Der Film ist so angelegt, dass er die Konzentration des Zuschauers auf die teilweise recht brillianten Dialoge lenkt, vor allem das Interview zwischen dem Senator und der Journalistin ist richtig gut. Dieser Fokus ergibt sich dadurch, dass die Handlungsräume auf nahezu einen Ort beschränkt bleiben. Auch das ist mit Sicherheit schon im Drehbuch so angelegt und ein ebenso einfacher wie genialer Schachzug. Tom Cruise und Meryl Streep haben sicherlich die dankbarsten Rollen, vor allem deshalb bleibt ihre Episode wohl am meisten im Gedächtnis haften. Die Rolle des relativ undurchschaubaren Machtmenschen, dem man alles zutraut und bei dem man auch deshalb nicht sicher ist, ob er das, was er sagt nun wirklich ernst mein oder nicht, ist eine Paraderolle für Tom Cruise. So einen Typ kann er wirklich gut darstellen.

Meryl Streep hat auch einige Glanzmomente, einmal das stille Reflektieren ihrer eigenen Rolle in dem ganzen Szenario, als sie sich die Bilder im Büro des Senators ansieht. Und dann der unvergessliche Auftritt bei ihrem Editor. Acting at its best, würde ich sagen. Der einzige Wehrmutstropfen ist der plötzliche Einsatz von Hollywood-Kitsch-Elementen am Ende des Films, vor allem der Musik. Dies hat schon der Kritiker im Filmdienst bemängelt und ich muss ihm da absolut Recht geben. Aber auch das ist irgendwie typisch Redford. Kostet den Film allerdings doch einen Punkt.

Meine Wertung: 
7

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.