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Deutscher Titel: 
Lonely Heart Killers

Auf einer wahren Begebenheit beruhende Filme stacheln den Voyeur in uns immer besonders an. Um so mehr natürlich, wenn es um Sex und Mord geht. Gute Filme sind sich dessen bewusst und spielen mit dieser Erwartungshaltung der Zuschauer. Grundlage dieses Films sind die Lonely Heart Morde, die Ende der vierziger Jahre von Raymond Martin Fernandez und Martha Beck begangen wurden. Guter Stoff sollte man also denken. Und wenn man dann noch hört, das John Travolta, James Gandolfini, Jared Leto und Salma Hayek die Hauptrollen spielen, ist man um so gespannter. Leider hinterlässt der Film aber keinen besonderen Eindruck. Man sieht einen professionell gestalteten Film, der bis ins kleinste Detail wunderbar ausgestattet ist. Aber das ist dann auch schon alles. Weder die schauspielerischen Leistungen noch die Geschichte an sich hinterlassen etwas, an das man sich noch lange erinnern wird. Ein Reviewer in der IMDB erklärt seine Unzufriedenheit mit dem Film damit, dass er Jared Leto in seiner Rolle nicht akzeptieren kann und dass das Zusammenspiel mit Hayek keinen Funken überspringen lässt. Es ist schon richtig, die Figur des Ray ist relativ eindimensional und erlaubt auch keine besonderen Glanzleistungen. Ich denke aber, dass dieses Phänomen allgemeiner ist und etwas mit dem Drehbuch zu tun hat. Alle vier Hauptfiguren haben im Grunde genommen viel Potential, um eine richtig gute, ins Allgemeine gesteigerte Geschichte zu liefern. Dieses Potential wird aber nicht ausgenutzt. Die ganze Sache mit Robinson (Travolta) und seiner Frau macht hier viel versprechende Seitenstränge auf, die aber nie so richtig ausgeschöpft werden. Das ist alles sehr unbefriedigend, sowohl das Drama mit dem Sohn als auch die unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit gehaltene Beziehung zu seiner Kollegin (Laura Dern hat hier leider eine Rolle, in der sie nicht viel ausrichten kann). Schaut man sich das verschenkte Potential an, so besteht fast kein Unterschied mehr zwischen der eindimensionalen Figur des Ray und den anderen Figuren. Dass sich ihre Frau umgebracht hat, macht sie nicht interessanter. Interessanter werden sie dadurch, wie sie damit umgehen. Bei der Figur von Robinson ahnt man es zwar, es werden Andeutungen gemacht, aber es wird m.E. bei weitem nicht ausgeschöpft. Das ist symptomatisch für den ganzen Film. Alles in allem handelt es sich um einen durchaus professionell gemachten Film, dem ein anderes Drehbuch gut getan hätte. Der Film ist nicht eindeutig in seiner Haltung zur oben angesprochenen voyeuristischen Erwartungshaltung. Zum Teil bedient er sie, schreckt dann aber vor dem vollen Programm zurück. Er problematisiert sie aber andererseits auch nicht und kommt deshalb etwas verlogen und unausgewogen daher.

Meine Wertung: 
5

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.