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Charlie Wilson's War

Deutscher Titel: 
Krieg des Charlie Wilson, Der

Der neue Film von Mike Nichols behandelt ein Thema, das von weltgeschichtlichem Rang ist, aber bis vor ein paar Jahren noch nahezu niemandem bekannt war. Ein Kongressabgeordneter namens Charlie Wilson hat mit Unterstützung eines CIA Mannes und einiger anderer Menschen (darunter eine ultra-rechte, religiös-fanatische, texanische Ölmillionärin) die afghanischen Freiheitskämpfer aufgerüstet und somit zur sowjetischen Niederlage und letztlich sogar zum Niedergang des Sozialismus im Ostblock beigetragen. Die ganz Aktion musste im Geheimen ablaufen - offiziell durften die Afghanen ja nicht von den USA in diesem Ausmaß unterstützt werden. So kam es zu denkwürdigen Kombinationen, z.B. Kooperationen zwischen Ägypten, Saudi-Arabien, Pakistan auf der einen und Israel auf der anderen Seite. Ironie der Geschichte ist, dass die Amerikaner auf diese Weise den Feind aufgerüstet haben, den sie momentan gerade bekämpfen.

Mike Nichols hat diesen Stoff als Komödie inszeniert, die streckenweise satirische Züge annimmt. Ein durchgehend sarkastischer Ton tut dem Film gut, da sonst leicht die Gefahr bestünde, zu sehr ins patriotische Fahrwasser zu gelangen. Auf der anderen Seite ist der Film nie absurd überzeichnet, wie es etwa streckenweise in Wag the Dog oder - um einen Klassiker des Kalten-Krieg-Films zu nehmen - Dr. Strangelove der Fall ist. Schließlich basiert der Film ja auf einer wahren Begebenheit und das glaubt man dem Film durchaus.

Eingerahmt ist die ganze Geschichte durch den Bezug auf die Gegenwart. Zu Beginn richtet ein Mudschaheddin nach seinem Gebet eine Panzerfaust ins Publikum und drückt ab. Das ist ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass das Blatt sich gegen die ehemaligen Unterstützer gewendet hat. Und am Ende, als dann klar ist, dass es in Afghanistan nur darum ging, die Russen zu besiegen, nicht das Land zu unterstützen und aufzubauen, ist uns Zuschauern aus unserer heutigen Perspektive natürlich auch klar, worin das endet. Falls wir es aber immer noch nicht verstanden haben, wird Charlie Wilson selbst zitiert: "... but we fucked up the end game."

Ansonsten vertraut der Regisseur darauf, dass wir den Bezug zum Heute selbst herstellen können und widmet sich ganz der Geschichte aus den 80er Jahren. Und das ist alles sehr gut gemacht, die Ausstattung, die Maske etc. Tom Hanks spielt den ständig Whiskey trinkenden Charlie Wilson wie üblich sehr gut. Er soll zwar allein durch seine Physis dem kantigen echten Charlie Wilson nicht so gut entsprechen, aber man nimmt ihm diese Figur einfach ab. Noch besser allerdings sind die Nebenfiguren, allen voran Philip Seymour Hoffman. Wenn er auftritt, bestimmt er die Szene und hebt das Ganze noch ein Stück weiter an, was die Qualität betrifft. Er spielt den griechisch-stämmigen Gust Avrakotos mit einer Präsenz, die unglaublich ist. Die Szene, in der er nicht nur zum zweiten Mal seinem Boss sagt "to fuck himself", sondern auch noch einmal die gerade reparierte Scheibe zum Büro zertrümmert ist einfach unvergesslich. Gust ist wirklich etwas an dem Geschäft des Geheimdienstes gelegen, während sein Boss sich anscheinend mehr darum kümmert, als Weihnachtsmann der Betriebsfeier gut auszusehen.

Es lohnt sich auf jeden Fall, diesen Film zu sehen. Wie immer ist natürlich die Originalfassung vorzuziehen, besonders da es sich um einen Film mit Tom Hanks handelt. Der hat bei uns ja eine unsägliche Synchronstimme (auch noch dieselbe wie Bill Murray), die so sehr die Person verfälscht, dass es schon an ein Verbrechen grenzt.

Meine Wertung: 
8

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.