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Deutscher Titel: 
Verdict, The

Ähnlich wie bereits in dem zuletzt besprochenen Film Runaway Jury geht es in Sidney Lumets Film auch um die Institution des Geschworenengerichts. Aber was für ein Unterschied.

Paul Newman spielt den Anwalt Frank Galvin, der durch einen früheren "Fehler" aus der Bahn geworfen wurde. Seine Frau hat ihn verlassen, er ist dem Alkohol verfallen und versucht auf übelste Weise an Schadensersatzfälle zu kommen. Eines Tages jedoch sagt ihm sein Freund Mickey (Jack Warden), der gerade einen neuen Fall für ihn hat, einmal die Meinung. Egal, was es nun auslöst, Frank will auf einmal diesen Fall gewinnen. Dabei geht es ihm weder um das Geld noch um die Kläger, denen er sogar Entscheidungen nicht mitteilt. Und obwohl alle Wahrscheinlichkeiten gegen ihn sprechen, Zeugen gekauft werden und verschwinden, findet er schließlich doch den einen ehrlichen Menschen, der ihm zum Sieg verhilft.

Der Film ist wie die meisten Lumet-Filme sehr gut inszeniert. Er zählt für mich eindeutig zu seinen besten Filmen. Das hängt auch zusammen mit dem hervorragenden Drehbuch von David Mamet. Um nochmal auf Runaway Jury zurückzukommen: Es braucht keine verzwickte Geschichte, keine Plot Twists oder viel Action. Eine gute Geschichte, geradlinig erzählt, das reicht oft schon. Es ist schwierig, hier das richtige Wort zu finden. Mir kommt immer der Begriff "erwachsen" in den Sinn. Damit meine ich, dass der Film und besonders das Drehbuch den Zuschauer nicht so behandelt, als wäre er ein Kind, dem überdeutlich erklärt werden muss, was gerade passiert und was das bedeutet, sei es durch Worte, Musik oder Inszenierung. Diese Qualität geht dem Film von Fleder zum Beispiel nahezu ab.

Ein gutes Beispiel für das, was ich meine und für die Genialität des Drehbuchs ist die Szene, in der Mickey Frank davon berichtet, dass Laura (Charlotte Rampling) für die Gegenseite spioniert. Die Zuschauer wissen es bereits, wir brauchen also nicht das Gespräch wörtlich mitbekommen. Stattdessen betrachten wir die beiden von oben, weiter weg und hören nur den Straßenlärm New Yorks. Und wenn Frank darauf Laura trifft, braucht es zwischen den beiden auch keiner Worte. Die Blicke der beiden reichen aus, um zu sehen, was da kaputt gegangen ist. Das ist Kino in Reinform. Und ohne Musik oder Ausbrüche von Frank und Laura - und vielleicht auch gerade deshalb - hat diese Szene eine emotionale Wucht, die einen umhaut.

Und dann sind da natürlich noch die Schauspieler. Bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt und gespielt. James Mason spielt den widerlichen Verteidiger umwerfend gut. Allen voran geht aber Paul Newman. Er wurde damals zwar für Golden Globe und Oscar nominiert, hat aber keinen von beiden bekommen. Schade, für mich ist diese Rolle eine seiner besten Performances.

Meine Wertung: 
8

Filmography links and data courtesy of The Internet Movie Database.